Nutzung, Bauzeit:
Städtebauliche Situation, Nachbargebäude:
Geschossigkeit und Dachform:
Baukörpergestaltung:
Bezug von Baukörper und Dachform zur Umgebung:
Fassadengestaltung:
Detaillierung:
Materialien und Farbgebung:
Bezug der Materialien und Fassadengestaltung zur Umgebung:
Abschließende Bewertung: +
In den Jahren 2018/19 wurde die städtebaulich relevante Ecksituation an der Wendenstraße zur Bockstwete mit einem Neubau geschlossen. Das schmale Eckgrundstück befindet sich in der Nähe des Hagenmarktes und schließt an das einstige Gloria-Kino aus dem Jahr 1912 an - ein bedeutendes Zeugnis der Architektur aus der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg. Gegenüber weitet sich der Südteil der Wendenstraße zum Werder auf, dessen als Parkplatz für PKW genutzte Fläche Ergebnis des Wiederaufbaus nach 1945 ist.
Der Neubau stellt sich als fünfgeschossiges Wohn- und Geschäftshaus mit einem darüber deutlich eingezogenen hohen Staffelgeschoss dar. Hervorstechendes Merkmal des als Kubus gestalteten Gebäudes sind neben dem Staffelgeschoss die erkerartig auskragenden Wintergärten an der Hausecke. Der über sämtliche Wohngeschosse reichende Erker ist durch eine strenge Horizontalgliederung mit Brüstungen und jeweils übereck reichende Fensterbänder gekennzeichnet. Der obere Abschluss des Erkers springt als Sturz umseitig leicht vor und bildet somit eine Verkröpfung der Traufzone.
Im Erdgeschoss ist unter den Wintergärten eine entsprechend breite Ladenzone mit bodentiefer Verglasung eingefügt. Der rechte Fassadenbereich ist asymmetrisch gestaltet und zeigt eine tief eingezogene Eingangssituation, darüber befinden sich seitlich versetzt vier querrechteckige Fenster. Die tiefere Front zur Bockstwete besitzt zwei Nebeneingänge und zwei Achsen mit hochrechteckigen Fensteröffnungen, von denen die Fenster in der hinteren Achse versetzt angeordnet sind. An der Rückseite (Ostfassade) sind die Wohnstockwerke über dem blockartigen Erd- und 1. Obergeschoss eingezogen und mit Balkonen besetzt. Das Flachdach kragt hofseitig weit aus.
Das hohe Staffelgeschoss birgt zwei Stockwerke und ist übereck mit einem fassadenbündig eingefügtem Panoramafenster ausgestattet. Am hinteren Teil seiner Seitenfassade befinden sich entsprechend der Geschossteulung zwei querrechteckige Schlitzfenster. An der Rückseite der Staffelgeschosse tritt eine Außenwendeltreppe in Erscheinung. Knapp unter der Traufe der als Kubus gestalteten Staffelgeschosse sind auskragende Stahlprofile angebracht, die auf ein ursprünglich wohl vorgesehenes Sonnenschutzdach hinweisen. Der Rücksprung der Staffelgeschosse ermöglicht an der Nordseite eine Dachterrasse. Dementsprechend ist über der Traufzone ein Stabgeländer aus Metall angebracht. Das Verhältnis zwischen Hauptbaukörper und Staffelgeschoss wirkt leicht unstimmig.
Am gesamten Baukörper sind die geschlossenen Fassadenflächen verputzt und weiß gestrichen. Sämtliche Fenster und Verglasungen zeigen anthrazitfarbene und verhältnismäßig schlank gestaltete Metallprofile.
Die Eckbebauung bildet eine Baulückenschließung an markanter Stelle. Seine eigenständige und durchaus im Kontrast zur späthistoristischen Nachbarbebauung stehende Architektur kann als positiver Beitrag zur aktuellen Baukultur angesehen werden. Sie zeigt eine differenzierte Baukörpergestaltung mit sorgfältig ausgebildeten Details, auch wenn die Proportionen des Hauptbaukörper zum Staffelgeschoss leicht unstimmig wirken. Das Gebäude ist in völlig legitimer Weise mit Zitaten aus Formensprache der Klassischen Moderne entworfen und fügt diese in den innerstädtischen Kontext ein. Als Merkwürdigkeit fallen allerdings die auskragenden Stahlprofile ohne das fehlende Sonnenschutzdach ins Auge.